Jules Werson und Wersonhaus

Quelle: Gilching-Argelsried – Ortsgeschichte in Bildern, von Gerhard Dunkel und Reinhard Frank, Hrsg. VHS Gilching e.V., 1992

Das Wersonhaus ist eng mit dem Leben des Künstlers Jules Werson verbunden.

Jules Werson wurde 1884 in der heute belgischen Stadt Malmedy geboren und machte dort eine Lehre zum Kunstschlosser. Kurz nach der Jahrhundertwende kam er in die Kunststadt München, um sein künstlerisches Können auf eine breitere Basis zu stellen. Er hat die bayerische Hauptstadt gleich ins Herz geschlossen, nicht nur wegen der künstlerischen Möglichkeiten, sondern weil er München auch als „Hochburg der romantischen Boheme“ empfand. Des Geldes wegen musste er München wieder verlassen und in Brüssel als Kunstschmied arbeiten. Als ihm ein Münchner Freund eine Stelle im Atelier Simon Korn vermittelte, das die Gestaltung der Fassaden von Prof. Georg von Hauberrisser am Neuen Münchener Rathaus umsetzte, nutzte Jules Werson die Gelegenheit, um nach München zurückzukehren. Hier ist ihm in der Folgezeit der Sprung vom Kunstschmied zum Bildhauer und Maler und in die berufliche Selbstständigkeit gelungen.

Als nach dem Zusammenbruch des Kaiserreiches 1919 der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner in München erschossen wurde, löste dies eine Welle der Gewalt aus. Werson und seine Mäzenin Marie Lindemann brachten sich in Sicherheit, als Marie Lindemann das heutige Wersonhaus kaufte, das 1914 als Gilching Nr. 137 von Melchior Fanger geplant worden war. Das schöne Haus befand sich noch am Dorfrand und in Gehweite des Bahnhofes, der eine schnelle Anbindung an München garantierte. Werson nannte das neue Heim in Landhaus Zwei Birken um und baute im Jahr 1920 das Atelier an. Daneben hatte er noch viele Jahre lang ein zweites Atelier in München.

Jules Werson, dem die Erweiterung des Horizontes und der Austausch mit anderen ein lebenslanges Anliegen war, diente das Landhaus Zwei Birken nicht nur als Wohnstätte und Atelier: Als er im Sommer 1950 gemeinsam mit Rudi Schicht und Max Schinner die VHS Gilching gründete, versammelte er jeden Dienstag den Arbeitskreis Form und Farbe – Ethik und Aesthetik in den eigenen Räumlichkeiten und gewährte den Teilnehmern auch Zugang zu seiner Bibliothek. Zu seinem 80. Geburtstag wurde ihm der Bundesverdienstorden für seine künstlerischen Verdienste und seine Verdienste um die Volksbildung verliehen. Werson war der erste Gilchinger, dem diese hohe Ehrung zu Teil wurde.

Als Jules Werson 1967 in Gilching starb, wurde das Haus noch von seiner Witwe bis zu deren Tod im Jahr 1981 bewohnt. Dann verkauften die Erben das Wersonhaus an die Gemeinde Gilching, die das Haus unterschiedlichen Nutzungen zuführte: So waren auch der Sozialdienst Gilching-Argelsried, Asylbewerber, die Töpferwerkstatt der Volkshochschule, die Gemeindebücherei Gilching im Haus bzw. dem Atelieranbau untergebracht. Heute befinden sich im renovierten Wersonhaus die Wersonzwerge (Spielkreis und Mutter-Kind-Gruppen des Sozialdienstes), das Standesamt, die Friedhofsverwaltung und das Archiv, das einen Teil des künstlerischen Nachlasses von Jules Werson betreut. Zudem wurde mit der Einrichtung von zwei Galerie-Räumen im 1. Obergeschoß die künstlerische Tradition des Hauses wieder belebt.

Ursula Lochner

Gemeindearchivarin

Plakat zu Wersonausstellung 2007 in Gilching

Das Wersonhaus von Süden

Die Eingangstreppe


Schmuckkachel (Jüngling Delphin“ an der Eingangstür vom Wersonhaus

Schmuckkachel „Europa Stier“ an der Eingangstür vom Wersonhaus