Die Römerzeit

Die römischen Siedlung an der Frauenwiese

siedlung

Bei der römischen Siedlung handelt es sich um einen römischen Gutshof aus der Zeit des späten 3. Jahrhunderts, der bis in das frühe 5. Jahrhundert (spätrömische Kaiserzeit) genutzt worden war. Die Datierung ist möglich, da eine Münze aus der Zeit des römischen Kaisers Valentinianus I. (364 – 375) gefunden wurde.

Insgesamt befinden sich in diesem Areal nach bisherigen Kenntnisstand 12 Häuser, die aber nicht alle zeitgleich existierten. Das Gut war wahrscheinlich mit einem Schutzwall mit einer Umzäunung umgeben, der jeweils an der Nord- und Südseite mit einem Tor durchbrochen war. Da keine Spuren von Werkstätten gefunden worden waren, liegt es nahe, daß es sich hier um einen rein landwirtschaftlichen Betrieb gehandelt hat, der wahrscheinlich zur Versorgung des durchziehenden römischen Militärs gedient hatte. Dieser Hof ist im Vergleich mit ähnlichen Siedlungen relativ groß. Im Gilchinger Raum befinden sich nach den momentanen Befunden noch die Spuren 3 weitere römische Siedlungen – die Existenz weiterer ist nicht auszuschließen.

In dem Gräberfeld sind insgesamt 55 Bestattungen: jeweils 10 männliche und 10 weibliche Erwachsene sowie 35 Kinder im Zeitraum von 120 – 140 Jahren wurden hier beigesetzt. Es läßt sich daraus schließen, daß ca. 2 Familien über mehrere Generationen gemeinsam dieses Gut bewirtschafteten. Ob diese Familien immer die gleichen waren, läßt sich nicht sagen, da keine genetische Analyse des Materials vorliegt.

Der römischen Tradition entsprechend werden Gräberfelder entlang einer Strasse angelegt, was vermuten lässt, dass in römischer Zeit hier in nächster Nähe ein Weg entlang führte. Diese Vermutung könnte dadurch bestärkt werden, dass im Feld am Ausgang des Weges auf Luftbildaufnahmen Hinweise auf eine Strasse erkennbar sind. Ob diese Strasse allerdings römischen Urspungs ist, ist nicht achgewiesen.

Der kleine Bach am Ende des Weges, kurz vor der Stelle an der die römische Siedlung ausgegraben worden ist, dürfte das Wasser für die Siedlung geliefert haben. Im Bereich dieses Baches wurden bei Begehungen einige römische Scherben und Münzen gefunden.

1957 Freilegung von 11 Skelett- und 4 Brandgräbern. 1965 Freilegung weiterer 12 Skelett- und 2 Brandgräber. In diesen Jahren wurde der Siedlungshügel schon als solcher erkannt, aber noch nicht freigelegt. 1972-1975 und 1980-1982 Prof. Helmut Bender leitet die Grabungskampagne zur Freilegung der eigentlichen Siedlung. 2005-2007 Römischer Brunnen durch die Firma Dig-It. 2007 Römischer Brunnen bzw. Abfallgrube. Funde: sehr viele Tierknochen, Ziegelbruch und Keramikfragmente, die in ihrer Datierung mit den Funden aus der Siedlung übereinstimmen. Literatur: Bender, Helmut; Die römische Siedlung von Wessling-Frauenwiese:
Untersuchungen zum ländlichen Siedlungswesen während der Spätantike in Raetien, 2002, Passauer Universitätsschriften zur Archäologie (Bd. 7)