Nach der Eiszeit
Sobald das Klima weniger rau war und auch die tieferen Bodenschichten auftauten, entstanden zunächst weite Grasflächen. Hier breiteten sich nach und nach Bäume aus, zunächst Birken und Weiden, später Hasel, Kiefer bis hin zu Buchen, Eichen, Linden, Erlen, Tannen und Fichten. Schließlich prägten, bis auf Moore und Überschwemmungsgebiete der Flüsse, Wälder die Landschaft, in denen die immer noch heimischen Wildtiere sowie Wisent, Auerochs, Luchs, Bär und Wolf lebten. Allerdings waren die Wälder aufgrund der vorherrschenden Laubbäume viel heller und lichtdurchfluteter als Wälder heute.
Aus dem folgenden Pollendiagramm, Ende 1990 von Prof. Hansjörg Küster im Görbelmoos aufgenommen, lässt sich für Gilchings Umgebung ableiten, dass zunächst die Kiefer und danach die Hasel vorherrschten. Um 5500 v.Chr. hatte sich dann die Eiche gegenüber beiden durchgesetzt, mit einem Anteil Fichte. Ab 3000 v.Chr. begann die Buche der Eiche die Vorrangstellung abzulaufen.
Das Pollendiagramm ist in drei Abschnitte gegliedert, die die unterschiedliche Einflussnahme des Menschen auf die Waldentwicklung darstellen. Phase 1 (weiß):Kein merklicher Einfluss. Phase 2 (hellbraun): Einsetzen des prähistorischen Ackerbaus ab etwa 5000 v.Chr. in der Region um Gilching mit Verlagerung der Siedlungsflächen. Diese Phase ist durch das sporadische und geringe Auftreten von Getreide- und Hainbuchenpollen gekennzeichnet. Die zum Stockausschlag befähigte Hainbuche diente als wesentlicher Brennholzlieferant. Phase 3: Ortsfeste Siedlungen mit vergrößerten und verdichteten Wirtschaftsflächen ab etwa der römischen Besatzungszeit um die Zeitenwende, kenntich daran, dass Getreide- und Hainbuchenpollen kontiniuerlich und in größerer Menge vertreten sind. (Die Pollenanteile von Hainbuche und Getreide sind zum Teil in zehnfacher Überhöhung schraffiert dargestellt, wodurch sie in Phase 2 überhaupt erst identifizierbar sind.)

Pollendiagramm entnommen aus: "Natürliche und kulturelle Bedingungen der Bewaldung Mitteleuropas",
Hansjörg Küster, in: Der Deutsche Wald, Heft 1, 2001, Hrsg.: Landeszentrale der politischen Bildung Baden-Württemberg
Direkte Hinweise auf die Anwesenheit von Menschen sind in Gilching bis in das vierte Jahrtausend vor Christus kaum zu finden, was u.a. mit ihrer Lebensweise zusammenhängt. Auf Germeringer Gebiet und aus späterer Zeitstellung am Rande des Haspelmoores wurde je ein Lagerplatz von Jägern und Sammlern aus der Mittelsteinzeit, d.h. vor der Ankunft von Menschen, die Landwirtschaft betrieben, gefunden. Ab dem fünften Jahrtausend sickerten über das Donautal die ersten Bauern in das südliche Bayern ein, die für ihre Felder den Wald rodeten und immer mehr zurückdrängten. So wurde bei Pestenacker im nördlichen Landkreis Landsberg/Lech eine Siedlung ausgegraben, die um 3500 vor Christus gegründet wurde, aber nur ca. 20 Jahre bestand.
Um 2000 v.Chr. datieren die ersten Hinweise menschlicher Besiedlung im Gilchinger Gemeindegebiet (2 Gräber im Wildmoos, Hockergräber an der Rathausstraße). Sie legten ihre ersten Felder vermutlich auf dem Ölberg, dem Fuchsberg und dem Steinberg an. Dort waren die günstigsten Böden - Löss, ein Geschenk der Eiszeit - zu finden. Als die Besiedlung dichter wurde, wurden weitere Wälder gerodet und in Acker- und Weideland umgewandelt. In Krisenzeiten, als die Bevölkerungsdichte abnahm, breiteten sich die Wälder wieder aus.
Ein Indiz, dass es vor 100-150 Jahren um Gilching sehr viel weniger Wald gab als heute, ist in den Wäldern hinter Rottenried und um das Wildmoos zu finden. Man findet dort in größeren Abständen mächtige Eichen und Buchen mit weit ausladenden Ästen. Im geschlossenen Bestand wachsen die Bäume in Konkurenz um ausreichend Licht schnell in die Höhe und verlieren die Seitenäste bereits nach wenigen Jahren, wenn sie nicht mehr genügend Licht bekommen. Dadurch bilden sich lange und relativ schlanke Schäfte aus die schmale, kurze Kronen tragen.. Seitenäste sind da nur Energieverschwendung. Wie kommen die da also hin? Die einleuchtendste Erklärung dafür ist, dass früher dort Weideflächen waren und sich die Eichen und Buchen als Solitärbäume entwickelten. Auf den Weiden dienten sie als Schatt- und Hutebäume.
Neben seiner Rolle als Bau- und Brennholzlieferant, wurde der Wald früher im Herbst als Waldweide genutzt. Die Bauern trieben ihr Vieh (Rinder u.a. Schweine) zur Eichelmast in den Wald.

