Stammtisch

12.07.2017 19:30 - 21:30
Gilching, Wersonhaus
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Address: Brucker Str. 11, 82205 Gilching, Deutschland

Nachdem im Oktober 2016 beim Abriss des Demharter-Hauses  wieder mehrere Bestattungen aus der frühen Bronzezeit geborgen wurden, ist es uns gelungen mit Ken Massy einen Experten über diese Epoche für einen Vortrag zu gewinnen:

Vortrag von Ken Massy über die Frühbronzezeit in Südbayern

Die Frühbronzezeit (ca. 2150 – 1650/1600 v. Chr.) stellt den Beginn eines neuen Zeitalters in Europa dar und ist nicht zuletzt durch zahlreiche in Mitteldeutschland angesiedelte Projekte eine mittlerweile sehr gut erforschte Epoche der mitteleuropäischen Vorgeschichte. In Südbayern jedoch, dem Kerngebiet der „Straubinger Gruppe“, fehlte bislang eine umfassende Neuaufnahme der frühbronzezeitlichen Gräber, sodass der Forschungsstand bei weitem nicht auf dem neuesten Stand war. Nach knapp 40 Jahren seit der letzten Gesamtaufnahme frühbronzezeitlicher Gräber in Südbayern hat sich der Quellenbestand mehr als verdreifacht. Die neuen Gräber wurden unter modernen wissenschaftlichen Standards im Rahmen meiner Dissertation untersucht und sollen im Vortrag zusammenfassend betrachtet werden. Die Analyse der Gräber führt dabei zum besseren Verständnis kultureller und zeitlicher Abläufe und schafft neue Einblicke in die Totenbehandlung und Bestattungspraktiken. Eine der bislang größten Serien an 14C-Daten hat zu einer teilweisen Revidierung des bestehenden relativchronologischen Systems geführt. Diese hat weitreichende Folgen für das Verständnis zeitlich bedingter kultureller Abläufe. Aufgrund der Vielzahl modern gegrabener Bestattungsplätze können nun auch zeittypische Phänomene wie beispielsweise Grabmanipulationen und Beigabensitten neu evaluiert und vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungsstandes analysiert werden. Zudem konnte das direkte Umland in die Untersuchungen mit einfließen, sodass die Gräberfelder und die dort bestatteten Individuen in einen größeren Kontext gestellt werden konnten.

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    Feuchtbodensiedlungen stellen wertvolle geoarchäologische Archive dar. Ein hoher Grundwasserspiegel schafft hervorragende Konservierungsbedingungen für paläoökologische und geomorphologische Daten sowie für archäologische Befunde und Funde.

    Die jungneolithische Siedlung Pestenacker bei Landsberg am Lech im Oberbayerischen Alpenvorland stellt eine solch außerordentlich gut erhaltene Feuchtbodensiedlung der Altheimer Kultur dar. Sie liegt im Tal des Verlorenen Baches und wurde zwischen 1988 und 2004 großflächig ausgegraben. Ihre Gründung kann dendrochronologisch auf das Jahr 3.495 v. Chr. datiert werden. Aufgrund ihrer großen archäologischen, überregionalen Bedeutung zählt sie seit 2011 zu den Teilstätten des UNESCO-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“.

    Die außergewöhnlich hohe archäologische Informationsdichte der analogen Grabungsdokumentation wird im Zuge der fortwährenden wissenschaftlichen Auswertung digital erschlossen. Dies erfolgt mittels GIS-gestützter Vektorisierung und 3D-Visualisierung. Die dadurch gewonnenen, neuen Auswertungsmöglichkeiten erlauben 3D-Modellierungen nicht nur der archäologischen Strukturen, sondern auch der Landschaft.

    Durch die Kombination dieser 3D-Modellierungen mit Bohrungen, zahlreichen Radiokarbondatierungen und Farbbildern des Untergrundes, generiert durch die Direct-Push-Technologie, kann eine hochaufgelöste, zeitgenaue Abfolge der Auensedimente mit mehreren ehemaligen Bachläufen rekonstruiert werden. Der erste nachweisliche Flusslauf entwickelte sich im Mittelholozän und schnitt sich in die weichen Torfsedimente ein. Dies führte zu einer Entwässerung der umliegenden Sedimente, damit zum Absenken des Grundwasserspiegels und vermutlich im Zuge dessen zur jungneolithischen Besiedlung der Aue.

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