Stammtisch und Vortrag von Dr. T. Brendle: Grabbeigaben der Kiltis

08.11.2017 19:30 - 21:30
Address: Brucker Str. 11, 82205 Gilching

Stammtisch am Mi, 08.11.2017 um 19:30 Uhr  

in unsere Vereinsräumlichkeiten im UG des Wersonhauses
Brucker Str. 11 in 82205 Gilching (Zugang Römerstrasse)

 Tagesordnungspunkte:

  1. SchichtWerk
  2. Sonderausstellung: Geschichte(n) rund ums Wersonhaus
  3. Rückblick Kulturwoche
  4. Sonstiges (Rückblick, Ausblick)
  5. Vortrag von Dr. Tobias Brendle:

Kiltoahinga um 660 n. Chr. – Die merowingerzeitlichen Grabfunde vom Steinlacher Weg

2012 traf man bei Bauarbeiten am Steinlacher Weg ganz unerwartet auf mehrere Bestattungen des frühen Mittelalters. Die kleine Gräbergruppe lag direkt an der ehemaligen römischen Fernstraße von Salzburg nach Augsburg in einem Siedlungsareal, und gehörte wohl zu einem Gehöft. Hier ragt v.a. ein reich ausgestatteter und schwer bewaffneter Krieger heraus, der der örtlichen Führungsschicht angehörte. Wir wollen seine exquisiten Beigaben, die jetzt fertig restauriert und im Wersonhaus ausgestellt sind, noch einmal Revue passieren lassen. Von den Objekten ausgehend unternehmen wir einen kleinen Streifzug in die Kulturgeschichte der Merowingerzeit.

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    Anne Köhler (M.Sc., Doktorandin, Universität Leipzig, Institut für Geographie) und Dr. des. Anneli Wanger-O'Neill (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Lineare Projekte, Projekt Pestenacker)

    Feuchtbodensiedlungen stellen wertvolle geoarchäologische Archive dar. Ein hoher Grundwasserspiegel schafft hervorragende Konservierungsbedingungen für paläoökologische und geomorphologische Daten sowie für archäologische Befunde und Funde.

    Die jungneolithische Siedlung Pestenacker bei Landsberg am Lech im Oberbayerischen Alpenvorland stellt eine solch außerordentlich gut erhaltene Feuchtbodensiedlung der Altheimer Kultur dar. Sie liegt im Tal des Verlorenen Baches und wurde zwischen 1988 und 2004 großflächig ausgegraben. Ihre Gründung kann dendrochronologisch auf das Jahr 3.495 v. Chr. datiert werden. Aufgrund ihrer großen archäologischen, überregionalen Bedeutung zählt sie seit 2011 zu den Teilstätten des UNESCO-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“.

    Die außergewöhnlich hohe archäologische Informationsdichte der analogen Grabungsdokumentation wird im Zuge der fortwährenden wissenschaftlichen Auswertung digital erschlossen. Dies erfolgt mittels GIS-gestützter Vektorisierung und 3D-Visualisierung. Die dadurch gewonnenen, neuen Auswertungsmöglichkeiten erlauben 3D-Modellierungen nicht nur der archäologischen Strukturen, sondern auch der Landschaft.

    Durch die Kombination dieser 3D-Modellierungen mit Bohrungen, zahlreichen Radiokarbondatierungen und Farbbildern des Untergrundes, generiert durch die Direct-Push-Technologie, kann eine hochaufgelöste, zeitgenaue Abfolge der Auensedimente mit mehreren ehemaligen Bachläufen rekonstruiert werden. Der erste nachweisliche Flusslauf entwickelte sich im Mittelholozän und schnitt sich in die weichen Torfsedimente ein. Dies führte zu einer Entwässerung der umliegenden Sedimente, damit zum Absenken des Grundwasserspiegels und vermutlich im Zuge dessen zur jungneolithischen Besiedlung der Aue.

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