Skelett mit Kruzifix (Foto: Siegfried Reindel)

Baubegleitende archäologische Ausgrabungen wurden beim Bau des neuen Standortes des Maibaums an der St. Vitus Kirche im Frühjahr 2021 durchgeführt. Weitergehende Untersuchungen brachten bedeutende Erkenntnisse zur Besiedelung des Altdorfes hervor.

Die Archäologen und Anthropologen stießen bei der Ausgrabung auf insgesamt 13 Skelette, die von dem bis 1961 existierenden Friedhof stammten. Die Grabstätten waren teilweise als solche nicht mehr zu erkennen und auch die Skelette nicht immer vollständig erhalten, da durch das Verlegen von Rohren und Leitungen bereits in der Vergangenheit die Schichten des Geländes gestört waren. Die meisten Individuen konnten anhand der Grabbeigaben wie Kruzifixe oder Rosenkranzperlen und Bestandteile der Tracht wie Knöpfe in moderne Zeiten (erstes Viertel des 20. Jahrhunderts) datiert werden. Bei einem Individuum, das in einem Zinksarg lag und bei dem Haare und Teile des Gewandes noch nicht vergangen waren, musste eine Bestattungsfirma hinzugezogen werden. Dieser Mann wurde auf dem modernen Friedhof St. Vitus beigesetzt.

Die 5 Individuen aus einer tieferen Schicht (Foto: Annette Reindel)

Äußerst interessant sind die Bestattungen von 5 Individuen, die eng nebeneinander, in einer weiter tiefer liegenden Schicht entdeckt wurden. Weiterführende Untersuchungen der Anthropologen ergab, dass es sich um 4 Männer und 1 Frau handelt. Ein Individuum war zwischen 50-70 Jahre alt, die anderen zwischen 40-60 Jahren und deren Größe betrug zwischen 1,60 m – 1,75 m. An den Knochen festgestellt werden konnten übliche Erscheinungen wie sie an Skeletten aus dem Mittelalter üblicherweise zu finden sind. Darunter wurden hier vornehmlich Karies, Zahnausfälle und Wurzelspitzenabszesse, Belastungen durch Arbeit wie Arthrosen sowie verheilte Knochenbrüche festgestellt. Ein Zusammenhang dieser Skelette mit dem Gewerbegebiet im Bereich des Biburger Weges, welches zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert n. Chr. in Nutzung war, könnte gezogen werden. Über eine Datierung, also wann diese Menschen genau gelebt haben, konnte man durch fehlende Grabbeigaben anfangs nur spekulieren, die beigabenlose Sitte setzt etwa ab dem 8. Jahrhundert ein. Deshalb wurde für ein Individuum eine sogenannte C-14 Analyse im Curt Engelholm Zentrum für Archäometrie in Mannheim in Auftrag gegeben. Für dieses zu unterst liegende Skelett ergab die Analyse ein Ergebnis um 1.000. n. Chr., das bedeutet, dass diese Person um die Jahrtausendwende gelebt hat. Zum Vergleich sei erwähnt, dass die Kiltis aus dem 7. Jahrhundert stammen und die erste urkundliche Erwähnung Gilchings im Jahr 804 war. Die St. Vitus Kirche bzw. ein Vorgängerbau wird in das 10. Jahrhundert gedeutet, da für diese Zeit dem Heiligen St. Vitus zahlreiche Kirchen gewidmet wurden. Die Bestattung dieser 5 Menschen könnte also mit der ersten St. Vitus Kirche in Verbindung gebracht werden.

Glasperlenfragment aus der Merowingerzeit (6./7. Jahrhundert) (Foto: Annette Reindel)

Überraschend kamen unter diesen Bestattungen noch 2 Pfostenlöcher zum Vorschein. Diese weisen auf Reste einer etwaigen frühmittelalterlichen Siedlung oder einem möglichen Vorgängerbau einer Kirche hin. Ein verlagertes Perlenfragment ist eindeutig in die Merowinger Zeit einzuordnen, sodass das Areal bereits im Übergang vom 6. zum 7. Jahrhundert n. Chr. in Nutzung war.

Wer mehr über die Geschichte Gilchings erfahren möchte, kann dies bei einem Besuch im Museum SchichtWerk – Zeitreisen im Wersonhaus tun und sich auf der Internetseite der Zeitreise Gilching e. V.  (www.zeitreise-gilching.de) informieren.